Testverfahren

Welches Test-Verfahren für Sie bzw. Ihr Kind?

Im Bereich der Intelligenzmessung gibt es viele IQ-Test-Verfahren, die unterschiedliche Bereiche der Intelligenz messen und deshalb nicht immer zur Diagnostik von Hochbegabung geeignet sind. Die bekanntesten Testungen im Bereich der Diagnostik bei Kindern im Grundschulalter bis ca. 15 Jahren sind das AID3 und der HAWIK IV, jetzt WISC IV genannt. Hier eine kleine Übersicht der am meisten verwendeten Verfahren:

 

AID 3
Beim AID3 handelt es sich um ein ideales Verfahren, eine hohe Begabung zu diagnostizieren. Es wurde im Jahr 2014 neu normiert zur Anwendung freigegeben, d.h. es wurden neue Eichstichproben ermittelt und der Test ist deshalb sehr aktuell.
Das AID3 ist adaptiv, d.h. innerhalb eines Frageblocks werden den Kindern leichte, mittelschwere und schwere Fragen gestellt. Begabte Kinder lieben die Herausforderung, so dass es wahrscheinlich ist, dass sie die schwereren Fragen den leichten vorziehen und diese eher beantworten als die leichten. Somit haben sie die Chance einen höheren Leistungsbereich zu erreichen. Das adaptive Testen erhöht gerade in der Hochbegabungsdiagnostik die Messgenauigkeit, verringert die Testlänge und vermeidet Deckeneffekte.
Es ist extrem motivierend und macht den Kindern sehr viel Spaß. Das führt zu einer geringeren Frustration der Kinder, denn durch die adaptive Verfahrensweise dürfen die Kinder ihr volles Leistungspotenzial zeigen.
Das AID3 zeigt ein sehr aufschlussreiches Stärken-/Schwächenprofil. Dieses ist insbesondere für die optimale Förderung von Vorteil, denn auch begabte Kinder können in einigen Bereichen Schwächen aufweisen und anhand des AID3 kann man sehr schön erkennen, wie man fordern, aber auch wie man fördern muss.
Das AID3 weist auf evtl. vorhandene Teilleistungsstörungen hin, insbesondere im Bereich der Wahrnehmung.
Bei Bedarf wird ein Gesamt-IQ angegeben. Der im AID3 zusätzlich ermittelte sog. Primär-IQ misst die Informationsverarbeitung in der gesellschaftlichen Umwelt und isoliert alle verbalen Untertests, so dass hier noch eine weitere Möglichkeit der Interpretation besteht. (siehe auch Fazit im unteren Teil dieser Seite)

 

BIVA
Der BIVA misst die Intelligenzleistungen von Vorschulkindern im Alter von 3;6 bis 7;6 Jahren. Der Test erfasst weitgehend voneinander abgegrenzte Basisleistungen des Kindes. Sie bilden die Grundlagen der Intelligenz. Er ist eine gute Alternative zum HAWIVA. Jedoch fehlt auch hier der Subtest Angewandtes Rechnen, der für unsere Sichtweise sehr wichtig ist, um besondere mathematisch-praktische Fähigkeiten des Kindes schon früh zu erfassen.

 

HAWIVA III, jetzt WPPSI
Die Stärken des HAWIVA liegen in der Messung der sprachlich-kognitiven Intelligenz. Andere, wichtige Intelligenzbereiche werden z.B. nicht ausreichend erfasst. Ein Test zum Angewandten Rechnen fehlt komplett. Er ist deshalb nur bedingt zur Messung im hohen Bereich geeignet.

 

HAWIK IV (WISC IV)
Der HAWIK IV (WISC IV) ist seit 2007 im Einsatz und ist zur Begabungsdiagnostik nur unter bestimmten Voraussetzungen geeignet!
Dies geht auch aus den dazugehörigen Testanweisungen von Petermann und Petermann (2007) hervor.
Studien zur Hochbegabung zeigen, dass bei Kindern, die in einem anderen Verfahren einen IQ über 130 bescheinigt bekamen, im HAWIK IV (WISC IV) einen deutlich niedrigeren IQ erreichten. Dies kann im Durchschnitt eine Diskrepanz von bis zu 6 Punkten bedeuten und heißt, dass ein nachweißlich bereits mit IQ 130 getestetes Kind im HAWIK IV (WISC IV) nur einen IQ von 124 aufweist. Für eine schulische HB-Förderung kommt dieses Kind dann nicht in Frage, obwohl es doch hoch begabt ist.
Die Messgenauigkeit gerade in oberen Leistungsbereichen ist beim HAWIK IV (WISC IV) nicht gegeben. Die kann man in der einschlägigen wissenschaftlichen Literatur nachlesen, u.a. bei Petermann/Petermann (2007) sowie Petermann/Daseking (2009).
Häufig werden bei diesem Testverfahren extreme Leistungsunterschiede zwischen den vier Indexwerten Sprachverständnis (SV), Wahrnehmungsgebundenes logischen Denken (WLD), Arbeitsgedächtnis (AGD) und Verarbeitungsgeschwindigkeit (VG) festgestellt. Dies führt dazu, dass hoch begabte Kinder nicht als hoch begabt eingestuft werden können, da zwischen den Indexwerten SV/ WLD sowie AGD/VG hohe Differenzen bestehen, die den Gesamt-IQ nach unten ziehen. Überdurchschnittlich begabte Kinder zeigen zwischen den beiden genannten Gruppen nicht selten gravierende Leistungsdifferenzen.
Um dies zu verhindern, raten Petermann und Petermann zu einer speziellen Auswertungsformel, basierend auf dem AFI, dem Allgemeinen Fähigkeitsindex, der in der Praxis aber so gut wie gar nicht angewendet wird.
Des Weiteren wird der Untertest „Rechnerisches Denken“ nur optional durchgeführt, was wiederum im Umkehrschluss bedeutet, dass die meisten Testleiter auf ihn verzichten. Hierbei handelt es sich jedoch um einen Untertest, der gerade für Kinder mit hohen Begabungen wichtig ist.
Klinische Diagnosen wie z.B. eine Dyskalkulie o.ä. können in Gegensatz zum AID2.2 nicht gestellt werden.
Bei 16-jährigen Jugendlichen sollte der WIE, also der Intelligenztest für Erwachsene, als Messinstrument gewählt werden, da Deckeneffekte zu erwarten sind.

 

I-S-T 2000R
Der I-S-T 2000R (Intelligenzstrukturtest 2000R) ist für Menschen ab ca. 16 Jahren bis ins Seniorenalter geeignet. Er ist, gerade dann, wenn es um eine Diagnostik im höheren Bereich der Intelligenz geht, sehr zu empfehlen. Er testet viele Intelligenzbereiche ausführlich und objektiv ab.

 

Kaufman Assessment Battery for Children (K-ABC)
Da es für Vorschulkinder unter 6 Jahren kaum ein geeignetes Test-Verfahren gibt, welches aussagekräftig genug ist, wird in diesen Fällen zur K-ABC gegriffen, da hier im Gegensatz zum HAWIVA u.a. auch das Rechnerische Denken abgetestet wird. Er wird in mehrere Skalen unterteilt, z.B. die Skala der intellektuellen Fähigkeiten, deren Ergebnis aus der Skala einzelheitlichen sowie der Skala ganzheitlichen Denkens ermittelt wird und der Fertigkeitenskala, die u.a. auch das Rechnerische Denken beinhaltet. Laut Testanweisung darf dieser Test nur dann für alle Kinder genommen werden, wenn diese Kinder noch unter 6 Jahren sind. Danach ist dieser Test nicht mehr zur Diagnose einer hohen Begabung geeignet, sondern eher zur Feststellung einer Minderbegabung bzw. einer in der Norm liegenden Begabung. Aufgrund seines Alters sollte er jedoch möglichst nicht mehr angewandt werden.

 

WIE, früher HAWIE-R
Auch hier handelt es sich um ein Testverfahren für Erwachsene. Obwohl es sich um einen abwechslungsreichen Test handelt, kommen die Probanden mit den Testmaterialien nicht immer gut zurecht. Der I-S-T 2000R ist deshalb diesem Verfahren vorzuziehen.

WISC V                                                                                                                                                                      Beim WISC V handelt es sich um das Nachfolgermodell des bekannten HAWIK IV (WISC IV) von Petermann, Franz & Petermann, Ulrike. Der neue Test wurde ebenfalls von Prof. Dr. Franz Petermann entwickelt und ist seit dem Jahr 2017 erhältlich.

Dieser Test basiert auf 15 Untertests, die folgende Bereiche abtesten:

  • Visuell-räumliches Denken
  • Fluides Schlussfolgern
  • Verarbeitungsgeschwindigkeit
  • Arbeitsgedächtnis
  • Sprachverständnis
  • Gesamt-IQ-Wert

 Allerdings gibt es auch in diesem Testverfahren wieder Primärbereiche, die zwingend getestet werden müssen, aber auch Sekundärbereiche, die außen vor bleiben können. Auch dieses Mal ist das wichtige Rechnerische Denken wieder nur optional abzutesten, d.h. es kann, muss aber nicht getestet werden.

Und wie auch schon beim Vorgängermodell verweist der Autor in seinem Manual wieder daraufhin, dass es bzgl. der Hochbegabungsdiagnostik Deckeneffekte gibt, sodass er auch in diesem Fall nicht unbedingt geeignet ist, eine Hochbegabungsdiagnostik durchzuführen.

Auch in diesem Testverfahren wird wieder die Anwendung des Allgemeinen Fähigkeitsindex empfohlen.

 

Eine Hilfe für Unentschlossene
Geht es um die Feststellung einer Begabung, insbesondere einer Hochbegabung, so sollte das AID3 dem HAWIK IV (WISC IV) auf alle Fälle vorgezogen werden.
Liest man die Testanweisung zum HAWIK IV (WISC IV), so stellt man fest, dass die Autoren bereits explizit auf die o.g. Problematik hinweisen. Auch in anderen Publikationen, z.B. im Fallbuch HAWIK IV von Petermann und Daseking (2009) wird nochmals auf diese Problematik hingewiesen.
Geht es um eine aussagekräftige Testbatterie für Erwachsene, so ist der IST-2000R die bessere Alternative.

Gerne können Sie aber auch Kontakt, bei weiteren Fragen, mit uns aufnehmen.

Weitere Literaturempfehlungen:
News & science. Begabtenförderung und Begabungsforschung. ÖZBF,
Nr. 29/Ausgabe 3, 2011, S. 18-23.

Intelligenz und Teddybären, BOD-Verlag, Dr. Beate Gerstenberger-Ratzeburg, ISBN 978-3-7412-0864-5, broschiert, EUR 19,95 mehr…

 

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